• Lutz Jäkel

FFF versus Querdenker. Alles Extremisten?


Auf der Berliner Corona-Demo am 18.11.2020 treffe ich zufällig einen Bekannten. Er ist dort als Demonstrant dabei. Es ergibt sich eine teilweise hitzige Diskussion über Sinn und vor allem Unsinn solcher Demos.

Als ich ihm vorwerfe, dass er gerne seine Kritik oder Sorgen auch auf einer Demo zum Ausdruck bringen könne, aber bitte nicht unter Missachtung der Hygieneregeln und schon gar nicht mit Rechten und Rechtsradikalen, sagt er nicht nur, er habe keine Rechten und Rechtsradikalen gesehen (das haben wir ja mit einem anderen Beitrag geklärt, dass führende Köpfe der rechten und rechtsradikalen Szene dort waren), sondern er sagt auch: "Du gehst doch auf auf eine Fridays for Future Demo." Ich verstehe den Vergleich nicht, hake daher nach. Er sagt dann etwas, das man häufiger als Verharmlosung rechtslastiger Demos hört: "Na ja, da sind auch Linksradikale! Und da gibt es auch manchmal Gewalt."

Uff. Da war sie wieder, die Hufeisentheorie, also die Vorstellung, dass politische Extreme von links und rechts gleichzusetzen seien. Diese Hufeisentheorie ist seit jeher umstritten, und sie ist es in der heutigen Zeit erst recht. In einem Interview mit dem ZDF sagt der Politologe Robert Feustel, schon immer habe es die politischen Lager "fahrlässig vereinfacht" und eine gefährliche Gleichsetzung zwischen links und rechts provoziert. "Heute ist sie allerdings noch absurder als früher", sagt Feustel. Während linker Stalinismus kaum noch vorhanden sei, nehme der aggressive Faschismus auf der rechten Seite immer weiter zu und sei "unüberhörbar". Außerdem verwischten auf gefährliche Weise die Grenzen: "Gerade die extreme Rechte tut beständig so, als sei sie die bürgerliche Mitte."

Das ist das eine. Das andere ist natürlich: Wie kommt man bei FFF auf Linksextremismus? Offenbar ist es für nicht wenige schon extremistisch, sich lautstark und aktionistisch für Umwelt- und Klimaschutz einzusetzen. Wie absurd.

Aber dem Thema Gewalt auf Demos wollte ich mal nachgehen. Schließlich hatte die Berliner Polizei nach der Demo gesagt, sie habe schon lange nicht mehr ein solches Ausmaß an Aggressivität und Gewalt erlebt. Ich habe daher bei der Berliner Polizei nachgefragt, wie es mit Gewalt auf der FFF-Demo aussah, die am 25. September in Berlin war und die ich auch dokumentiert hatte mit der Kamera. Die Polizei hat mir in einer Mail die Zahlen zur Verfügung gestellt. Daher mal ein aufschlussreicher Vergleich beider Demos, der auch einiges darüber sagt, wie "friedlich" und "voller Liebe" die Corona-Demo war.

Corona-Demo, 18.11.2020, Berlin:

19 Versammlungen. 2.500 Einsatzkräfte. 365 Festnahmen. 257 Strafermittlungsverfahren. 77 verletzte Polizistinnen und Polizisten, drei davon schwer. Unterstützung für die Berliner Polizei kam aus 9 Bundesländern.

Fridays for Future Demo, 25.09.2020, Berlin:

13 Versammlungen. 380 Einsatzkräfte. 0 Festnahmen. 4 Ermittlungsverfahren (wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz, einfachen Diebstahls und zweier Beleidigungen). Keine Verletzten.

Corona-Demo, 18.11.2020, Berlin:

Zahl der Demonstranten: 9000. Kaum einer trug Maske, niemand hielt Abstand. Heftige Beschimpfungen von Polizistinnen, Polizisten und Medienvertreter, einige skandierten antisemitische und menschenverachtende Parolen.

Demonstrieren GEGEN etwas, nämlich gegen Corona-Maßnahmen und "Corona-Diktatur"; sie glauben, sie demonstrierten FÜR Demokratie und Freiheit, tun es aber zusammen mit Demokratie- und Verfassungsfeinden. Fridays for Future Demo, 25.09.2020, Berlin:

Zahl der Demonstranten: 20.000. Alle trugen Masken, Abstände wurde weitgehend eingehalten. Keine Beschimpfungen von Polizistinnen, Polizisten und Medienvertreter, keine antisemitischen oder menschenverachtende Parolen.

Setzen sich FÜR etwas ein, nämlich Umwelt- und Klimaschutz, GEGEN klimaschädliches Verhalten.

Wie also kommt man auf die Idee, solche Demos miteinander zu vergleichen oder beim Thema Gewalt gar gleichzusetzen? Text & Foto © Lutz Jäkel #faktencheck #fakenews #corona #coronakrise #fridaysforfuture #querdenker #querdenken