• Lutz Jäkel

Kirchen in der islamischen Welt?

Kolumne


Wenn es um den Bau von Moscheen in Deutschland geht, wird von Gegnern gerne mit dem Argument gewedelt:

"Erst wenn es Kirchen in islamischen Ländern gibt, können wir auch über Moscheen in Deutschland sprechen."

Diesen Satz gibt es natürlich in vielen Varianten, inhaltlich läuft es auf's gleiche hinaus. Denen, die das sagen, kann man entgegnen: Es gibt Kirchen in der Türkei, in Indonesien, Tunesien, Marokko, Syrien, Jordanien, Irak, im Libanon, auch im Iran (dort sogar über 600, das Christentum ist verfassungsrechtlich anerkannt) und anderen islamischen Ländern.

In Saudi-Arabien gibt es keine, auch keine Synagoge, Bibeln sind verboten. Das erzkonservative, wahhabitische Saudi-Arabien ist ein Sonderfall. Aber Saudi-Arabien ist in vielen Dingen ein Sonderfall, und es ist nicht DIE islamische Welt.


Es ist auch richtig, dass durch die Zunahme islamistischer Extremistengruppen sich das Verhältnis zu den christlichen Minderheiten verschlechtert hat, aus Syrien und Irak sind im Zuge der Kriege viele Christen geflohen. Dennoch war und ist in vielen islamischen Ländern christliches Leben Teil der kulturellen und religiösen Identität, vor allem in den Ländern des Nahen Ostens, wo das Christentum, das sollte man nicht vergessen, seinen Ursprung hat.

Diese Christen übrigens sind uns in Europa kulturell nicht näher, nur weil sie Christen sind. Es sind arabische Christen, die sich in ihrer Mentalität von ihrem muslimischen Nachbarn kaum unterscheiden. Gleiches gilt für Iran, wo es iranische Christen sind. Usw.

Und zuguterletzt: Wenn wir in Europa und in Deutschland uns die Intoleranz anderer und anderer Länder quasi zum Vorbild oder zur Bedingung machten, dann haben die Rechtspopulisten und Islamisten schon gewonnen.

Das Foto oben von 2008 zeigt eine Messe in der griechisch-orthodoxen Kirche von Izraa im Süden Syriens, in der Mitte steht Bischof Saba Esber, Metropolit von Hauran und Jabal al-Arab. #moschee #islam #muslime #islamindeutschland #kirche #christentum

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