die buntdenker

Lutz Jäkel | Toleranzaktivist

(geb. 1970) ist Foto- und Videojournalist, Autor, Vortragsreferent und Islamwissenschaftler, hat in Hamburg, Damaskus (Syrien) und Sanaa (Jemen) studiert und lebt mit seiner kubanischen Frau Dayami Grasso in Berlin (und Havanna). Als Kind aufgewachsen in Istanbul, bereist und fotografiert er seit vielen Jahren die Welt und schreibt darüber für Magazine und Zeitungen. Sein Schwerpunkt ist die arabische und islamische Welt, aber nicht nur, er fühlt sich auch in anderen Teilen der Welt pudelwohl. Wichtig ist ihm in seinen Arbeiten, das Verbindende der Kulturen herauszuarbeiten für ein toleranteres gesellschaftliches Miteinander. Mehr auf lutz-jaekel.de und hier und hier.

Markus Mauthe | Umweltaktivist

(geb.1969) ist gelernter Fotograf, Autor und Vortragsreferent. Er lebt mit seiner Familie in Friedrichshafen am Bodensee und an der Kakaoküste in Brasilien. Er ist Botschafter für Greenpeace und Gründer der Naturschutzorganisation AMAP e.V.  Schwerpunkt seiner Arbeit ist es, mit selbst erlebten Geschichten und Fotos aus aller Welt globale Zusammenhänge aufzuzeigen und Themen wie Klimaschutz, Nachhaltigkeit und einen würdevollen Umgang der Menschen untereinander in den Mittelpunkt zu stellen. Mehr auf markus-mauthe.de und hier und hier und hier und hier.

jeannette hagen | menschenaktivistin

(geb. 1967) ist freie Autorin, systemischer Coach und Aktivistin. Ihre Leidenschaft ist es, Menschen zu begeistern, sie zu motivieren, ins Handeln zu kommen, sie dabei zu unterstützen, ihr Potential zu leben, aber auch hinter ihre Masken zu schauen. Mit ihrer Arbeit lenkt sie den Blick von Politik und Wirtschaft auf Themen, die die menschliche Seite unserer Welt berühren. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Mehr auf www.jeannette-hagen.de

nadine pungs | emanzipationsaktivistin

(geb.1981) ist Schriftstellerin und Bühnenmensch. Sie studierte in Düsseldorf Literaturwissenschaft und Geschichte. Davor, währenddessen und danach tingelte sie jahrelang als Kleinkünstlerin durch die Dörfer, spielte am Theater und organisierte Comedyshows. Auf der Suche nach Intensität und Schönheit zieht es sie immer wieder in die Welt. Ihre Geschichten schreibt sie nieder. Im Malik Verlag sind von ihr die beiden Bücher "Das verlorene Kopftuch. Wie der Iran mein Herz berührte" und "Meine Reise ins Übermorgenland. Allein unterwegs von Jordanien bis Oman". Mehr auf www.nadinepungs.de und piper.de.

lutz jäkel

"Wenn wir mehr auf das schauten, was uns mit dem vermeintlich Fremden verbindet als auf das, was uns voneinander trennt, dann stellten wir fest: Das Verbindende ist sehr viel mehr. Wenn uns das bewusst wird, ist das Miteinander viel einfacher. Und vom Trennenden können wir lernen."

jeannette hagen

„Es berührt mich zu sehen, wie viel Leid immer noch dadurch produziert wird, dass eine einfache Formel vergessen wird: Hass wird nicht geboren, er wird gemacht. Darüber aufzuklären und mich dem entgegenzustellen, ist mir ein großes Anliegen."

Markus Mauthe

„Wer mit offenen Augen reist, dem können die Probleme der Erde nicht entgehen – und wer mit dem Herzen unterwegs ist, dem können sie nicht egal sein“.

nadine pungs

„Jeder Mensch hat ein Recht auf Freiheit und Gleichberechtigung. Das muss unser Ziel sein. Privat, gesellschaftlich und global. Und deshalb brauchen wir mehr Emanzipation, denn sie ist der Kampf gegen Unterdrückung, Unselbstständigkeit und Benachteiligung.“

Fragen an die Buntdenker

Welche drei Begebenheiten haben euren Lebensweg am stärksten geprägt?

 

Lutz: Der Teil meiner Kindheit von 1975 bis 1980, als meine Eltern und ich durch den Beruf meines Vaters in Istanbul/Türkei gelebt haben. Dort wurde für mich das Reisen und ganz besonderes die Liebe zum Orient in die, so könnte man sagen, Wiege gelegt.

Dann mein erster Aufenthalt in Syrien 1993: Ich hatte mich sofort in das Land verliebt, habe dann in den kommenden fast zwanzig Jahren das Land immer wieder bereist, eine Zeitlang in Damaskus gelebt. Daraus ist das Buch- und Vortragsprojekt "Syrien. Erinnerungen an ein Land ohne Krieg" entstanden, mit dem ich durch den deutschsprachigen Raum toure.

Und schließlich eine Schiffsreise 2007, bei der ich meine Liebste Dayami kennenlernte...


Markus: Als Kind wurde ich von meinen Eltern nicht vor dem Fernseher vergessen, sondern viele Wochenenden zum Wandern verdonnert. Diese Verbindung zur Natur ist nie mehr abgerissen.

Meine Neugierde hat mich zum Reisen verführt, Interrail als Minderjähriger und dann immer weiter hinter den Horizont. Durch diese Erlebnisse wurde der Umweltaktivist in mir aktiviert. Seid 2003 toure ich zusammen mit Greenpeace und meinen Vorträgen durch den deutschsprachigen Raum.

Beim Fotografieren habe ich meine Frau Juliana im brasilianischen Regenwald kennengelernt. Heute leben wir mit unserer Tochter Anabelle auf ihrer Kakaofarm. Dort habe ich die Naturschutzorganisation AMAP gegründet, die brachliegendes Farmland aufforstet und Schutzprogramme für die Goldkopf Löwenäffchen entwickelt.
 

jeannette: Die Tatsache, dass mein leiblicher Vater keinen Kontakt zu mir haben will, hat eine tiefe Wunde hinterlassen. Gleichzeitig war sie Nährboden und Antrieb dafür, mich und die Menschen besser verstehen zu lernen und damit kleine auf große Zusammenhänge zu übertragen.
 

Die zweite Begebenheit ist meine Ausreise von Ost- nach West-Berlin und die damit verbundenen Repressalien, denen ich ausgesetzt war. Ich war damals Anfang 20, eine Zeit in der man frei sein Leben planen, Grundsteine legen sollte. Das ging nicht und es hat eine Zeit gedauert, bis ich das alles überwunden hatte und mich neu ausrichten konnte. Gleichzeitig habe ich jedoch einen Panoramablick auf Ost und West, weil ich in beiden Systemen gelebt habe, als die Mauer noch stand. Das aus dieser Erfahrung gewachsene Interesse an Menschenrechten und an Menschlichkeit hat mich 2016/17/18 immer wieder nach Lesbos geführt. Dort als Helferin und Beobachterin zu arbeiten, gehört zu den prägendsten Erlebnissen meines Lebens.

Nadine: Ohne meinen Großvater wäre ich nicht der Mensch, der ich heute bin. Er ermutigte mich, auf Bäume zu klettern, las mir aus Büchern vor und besuchte mit mir mittelalterliche Burgen. Von ihm lernte ich Neugier auf die Welt.
 

Mit 19 Jahren bin ich in einen bewaffneten Raubüberfall geraten. Seitdem weiß ich, dass mein Leben endlich ist.
 

Die Entscheidung, alleine zu reisen, meine inneren Grenzen zu überwinden und darüber Bücher zu schreiben, war und ist ein Katalysator meiner eigenen Emanzipation.

Bei wem oder was wird eure Toleranz auf die Probe gestellt?

Lutz: Mit Ignoranz kann ich irgendwie noch umgehen, es ist ja nicht immer böse Absicht. Führt diese Ignoranz aber zu menschenverachtenden Sichtweisen, ist eine Grenze des Tolerierbaren erreicht. Wenn Menschen dann so festgefahren und gefangen sind, dass jegliche Argumentation abprallt, wird's eng.

Markus: Ganz klar bei Faschisten, Evangelikalen & Klimawandelleugnern.

jeannette: Ich kann schlecht mit Ignoranz und Dummheit umgehen. Wenn Leute sich einfach nicht informieren und auf ihren oft falschen Annahmen sitzen und damit auch noch andere missionieren wollen, das fordert mich wirklich heraus.

Nadine: Faschisten, Dogmatiker, Denkzwerge.
 

Der Dschinn aus der Flasche erfüllt euch drei Wünsche, welche wären das?

 

Lutz: Früher hätte ich ins Poesiealbum geschrieben: Weltfrieden, Liebe für alle und eine saubere Umwelt. Heute sage ich: Ich bin Realist und Atheist und glaube daher nicht. Auch nicht an einen Dschinn, obwohl das ein arabisches Wort ist. Ich versuche aber, nach den Wünschen im Poesiealbum zu handeln.

Markus: Mein erster Wunsch wäre, dass der Dschinn aus allen Faschisten, Evangelikalen und Klimawandelleugnern sanftmütige Hippies macht. Solche, die gerne Bäume pflanzen und sich täglich umarmen. Zweitens würde ich mir wünschen, dass er allen Menschen ein Gen einsetzt, das unsere Gier unterdrückt, immer noch mehr haben zu wollen. Außerdem wäre es klasse, wenn er einen sehr reichen Menschen dazu bringt, gemeinsam mit mir und mit seinem Geld möglichst viel Land zu kaufen. Das forsten wir mit AMAP wieder auf und geben es der Natur zurück. Als Beitrag zum Klima- und Artenschutz.

jeannette: Ich wäre gern mit dem Wissen, was ich heute habe, noch einmal 30. Nicht, weil ich das Alter so toll fand, sondern weil ich gern mehr Zeit auf dieser Welt hätte. Ich liebe das Leben, ich liebe die Natur und diese Erde.

Nadine: 1. Ich wünsche mir, dass das Patriarchat endgültig abdankt. 2. Ich wünsche mir, dass Menschenrechte auch im Internet gelten. 3. Ich wünsche mir, dass gesunder Zucker erfunden wird..

Welche drei Eigenschaften schätzt ihr an anderen Menschen am meisten?

 

Lutz: Empathie. Warmherzigkeit. Neugierde.

Markus: Empathie. Hilfsbereitschaft. Bescheidenheit.

jeannette: Integrität, Weisheit, Warmherzigkeit.

Nadine: Großherzigkeit, Klugheit, Humor.

Was sind eurer Meinung nach die drei größten Leistungen der Menschheit?

 

Lutz: Demokratie. Elektrizität. Käsekuchen.

Markus: Sprache. Feuer. Internet.

jeannette: Aufklärung, Demokratie, Musik.

Nadine: Schrift, Verhütung, Katzenvideos.

 

Und die drei größten Fehlleistungen?


Lutz: Diktaturen. Atombombe. Ziegenkäse.

Markus: Die Aufgabe des Tauschhandels und die damit einhergehende Einführung von Zahlungsmitteln. Die Nutzung fossiler Brennstoffe und Atomkraft. Die letzte Staffel von Game of Thrones.

jeannette: Kriege, Gefängnisse, Zinseszins.

Nadine: Totalitarismus, Umweltzerstörung, BILD-Zeitung.

 

Worüber seid ihr dankbar?

 

Lutz: Beruflich das tun zu dürfen, was auch privat meine größten Leidenschaften sind. Meine Eltern. Dayami kennengelernt zu haben.

Markus: Für alles in meinem in vielen Bereichen sehr privilegiertem Leben.

jeannette: Darüber, dass ich in einem Land geboren bin, dass mir Wurzeln und Flügel gibt. Für meine Kinder, meine Beziehung, für dieses unglaublich schöne und aufregende Leben.

Nadine: Ich bin dankbar, dass ich in einer Demokratie aufwachsen durfte. Dass ich nicht hungern musste, keinen Krieg erlebt habe, Zugang zu Bildung hatte und jetzt tun darf, was ich liebe.

 

Wovor habt ihr Angst?

Lutz: Ein großes Wort. Hätte ich Angst, wäre ich blockiert. Ich habe Sorgen. Davor, dass der Mensch doch dümmer ist, als wir ahnen. Und er entsprechend noch dümmere Fehler macht, als er ohnehin schon zu verantworten hat.

 

Markus: Ich habe große Angst davor, dass meine Kinder, wenn sie mein heutiges Alter erreicht haben, auf einen ökologisch kaputten Planeten im Überlebenskampf stehen und ein Leben in Würde nicht mehr möglich ist. Mit ihnen übrigens neun oder zehn Milliarden ihrer Mitmenschen. Wir könnten das heute noch verhindern. Dafür wäre eine Flasche, mit einem Dschinn darin, ganz hilfreich. Da ich diese nicht habe, nutze ich unter anderem die Buntdenker als Plattform, um für meine Vision einer nachhaltigen Gesellschaft zu sensibilisieren.

jeannette: Vor dem sich wieder stärker ausbreitenden Rechtsradikalismus und den faschistischen Tendenzen und vor einer Fahrt mit der Achterbahn.

Nadine: Ich habe viele Ängste. Sei es Versagensangst, Höhenangst, Platzangst, Prüfungsangst oder Zukunftsangst. Aber auch Angst vor Krankheit, vor tiefem Wasser, vor Kakerlaken, vor Feuer, vor unbekannten Anrufern oder Angst zu verarmen. Ich muss mich all dem immer wieder stellen. Und auch das macht mir Angst.

 

Konsumartikel, auf die ihr nur im Notfall verzichten würdet?

 

Lutz: Smartphone. Kamera. Käsekuchen.

Markus: Smartphone. Laptop. Kamera.

jeannette: Smartphone, Laptop, Bücher.

Nadine: Labello, SodaStream, eBook Reader.

 

Skizziert in drei Sätzen die Welt, wie ihr sie euch für das Jahr 2050 wünscht?

 

Lutz: Herr im Himmel, da bin ich 80 Jahre alt! Aber okay: Donald Trump steht in den Geschichtsbüchern als der größte anzunehmende Unfall der US-Demokratie und für die Weltgemeinschaft, nach einer Amtsperiode aus dem Amt gefegt mit anschließender Sicherheitsverwahrung (2032 beim Golfen umgefallen und das Zeitliche gesegnet). Kriege gibt es nur noch in Computerspielen. Der Klimawandel konnte bereits 2030 aufgehalten werden. Sehr viele Menschen buntdenken.

Markus: Bestmögliches Szenario: Noch im Jahr 2020 werden die Präsidenten Bolsonaro in Brasilien entmachtet und Trump in den USA abgewählt. Fake-News und Hass-Postings werden überall verboten und die großen Provider gesetzlich gezwungen, massiv dagegen vorzugehen. Black Lives Matter und Fridays for Future vereinen sich und bleiben laut und konkret bis neoliberales Gedankengut aus den Parlamenten verschwunden ist. Den Rest erledigt menschlicher Innovationsgeist. Meine Angst von der Frage weiter oben wird keine Realität, dafür die Welt, wie ich sie mir für das Jahr 2050 wünsche. Auch wenn das nicht passiert, werden wir nicht aufgeben und immer weiter buntdenken.

jeannette: Ich würde mich freuen, wenn ich das noch erlebe und ich wünsche mir, dass wir bis dahin die Verkehrswende geschafft haben, das Ruder in Sachen Klimawandel herumgerissen und erkannt haben, das wir alle diesen Planeten gestalten und dass es uns alle auch trifft, wenn wir ihn zerstören. Also es geht um ein verantwortungsvolles Bewusstsein.

Nadine: Ich halte meine drei Wünsche zwar für äußerst optimistisch, aber träumen darf man ja. 1. Bis 2050 sollen alle Despoten abgedankt haben. 2. Bis 2050 schaffen wir die Klimawende. 3. Bis 2050 gibt es universelle Tierrechte.

Beatles oder Stones?
 

Lutz: Weder noch. Aber wenn ich zu einer Entscheidung gezwungen werde: Stones. Weil sie in Havanna aufgetreten sind. Und weil Mick Jagger in seinem Alter einfach eine coole Socke ist.
 

Markus: Pink Floyd.

jeannette: Beatles.

Nadine: Ich bin zu jung für diese Frage.

Was ist dein Buntgedanke? Lass es uns wissen!

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