• Lutz Jäkel

"Dear refugees from Ukraine, welcome to Berlin." Ein Fotoessay


"Dear refugees from Ukraine, welcome to Berlin." So heißt es inzwischen mehrmals am Tag über die Lautsprecher an Gleis 14 oder 13 am Berliner Hauptbahnhof, wenn ein Eurocity Zug aus Warschau oder Prag ankommt. Mehr als 15.000 Geflüchtete aus der Ukraine sind es inzwischen. Täglich. Berlin kommt an seine Belastungskapazitäten sagte heute die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey.


Am 10. März 2022 war ich am Bahnhof gewesen, habe mir die Szenen angesehen, sie dokumentiert. Ich kann es nicht anders beschreiben:

Einerseits ist es überwältigend, wie hilfsbereit die Menschen sind. Da stehen Leute mit selbst gemalten Schildern und Namen drauf, auf der Suche nach den Menschen, denen sie helfen wollen, eine vorübergehende Bleibe anbieten.

Es gibt jede Menge Stände, an denen die Geflüchteten empfangen, informiert und zunächst versorgt werden. Es werden Essenspenden ausgeteilt, die Geflüchteten sollen erst mal zur Ruhe kommen. Kinder bekommen Spielsachen, Kuscheltiere. Viele Freiwillige in gelben der orangefarbenen Westen kümmern sich um jeden Einzelnen, oft in mehreren Sprachen. Einigen Geflüchteten kullern die Tränen.


Andererseits war es emotional wirklich belastend, immer wieder musste ich innehalten mit dem Fotografieren. So viele Menschen, junge, alte, und vor allem: so viele Kinder! Es wurde schon mehrfach darüber berichtet, ich hatte auch diesen Eindruck: Oft sitzen die Kinder nur so da, wirken abwesend, gedankenverloren, apathisch. Sie begreifen vermutlich nicht wirklich, was da gerade passiert.

Eine Dame, die mich fotografieren sieht, spricht mich an, fragt: "Macht Sie das auch so fertig?" Wir kommen kurz ins Gespräch, sie sei SPD Bundestagsabgeordnete, komme gerade von einer Sondersitzung im Bundestag und wolle sich das mal vor Ort ansehen, wie die Lage ist. Dass es so dramatisch, und ja, auch herzzerreißend ist, hatte sie nicht erwartet.

Und dann sagt der russische Außenminister Lawrow in Antalya auf einer Pressekonferenz, man habe die Ukraine gar nicht angegriffen und der Westen solle die Provokationen beenden. Putin grinst weiter botoxaufgequollen in die russischen TV-Propagandasender. Ich kann nur noch kotzen ob solchen Zynismus und Fakenews Gequatsche. Man möchte die beiden gerne mal mitten in die Kriegsgebiete fahren. Oder hier am Berliner Bahnhof aussetzen und abwarten, was passiert...


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Fotos © Lutz Jäkel